Sonntags-Talk

Gewerkschaftsurgestein Robert Müllner: "Streik ist nicht der Alltag, Alltag ist gutes Miteinander"

Episode Summary

Robert Müllner war über Jahrzehnte eine Stimme für Beschäftigte in Salzburgs Industrie. Als Betriebsrat bei Porsche und später beim Beschlägehersteller Maco setzte er auf Dialog statt Konfrontation. Im SALZBURG24-Sonntagstalk erzählt er, wie er als "Angestellter der Mitarbeiter" Unternehmen geprägt hat und warum Betriebe gerade heute mehr soziale Kompetenz brauchen.

Episode Notes

Robert Müllner, gebürtiger Burgenländer, war im Bundesland mehrere Jahrzehnte als Betriebsrat und grüner Gewerkschafter aktiv. Unter anderem war der mittlerweile 68-Jährige in den 1980er-Jahren Betriebsrat bei Porsche Produktion. Nach 17 Jahren wechselte er zum Beschlägehersteller Maco, wo er 2003 ebenfalls Mitglied im Betriebsrat wurde und 2005 als Vorsitzender freigestellt war. Damit wurde er zum Angestellten der Mitarbeiter, wie er selbst sagt. Heute ist der Mitbegründer von Attac Obmann der Grünen Generation Plus.

Sonntagstalk mit Robert Müllner: Ein Auszug zum Nachlesen

SALZBURG24: Sie waren ja sehr lange gewerkschaftlich aktiv. Was macht man eigentlich im Arbeitskampf?

ROBERT MÜLLNER: Arbeitskampf ist, glaube ich, der kleinste und der wenigste Teil. Ich habe es immer so verstanden: Ich war der Angestellte für die Leute, die ich vertreten habe. Und ich habe schauen müssen, dass ihre Interessen wahrgenommen werden. Das fängt an am Arbeitsplatz, dass es gute Arbeitsbedingungen gibt, dass Arbeitszeiten eingehalt werden. Und es geht bis zu privaten Gesprächen. Und dann geht es auch darum, mit der Unternehmensleitung Gespräche zu führen, wie schaut es aus im Betrieb, wie ist die wirtschaftliche Lage, welche Änderungen sind geplant, vielleicht aufgrund von neuen Technologien notwendig ist oder weil sich Marktbedingungen so ändern, dass man expandieren muss. Wichtig ist, dass man in alle Richtungen eine gute Gesprächsbasis hat. Zumindest war das mir immer ein Anliegen.

Was braucht man als guter Betriebsrat?

Der Begriff Hausverstand ist schon oft strapaziert geworden, aber ich glaube, das Wichtigste ist, dass man Hausverstand hat. Dass man das kleine Einmaleins beherrscht, also auch ein bisschen rechnen kann. Und man muss die Leute mögen, man muss auf die Leute zugehen. Soziale Kompetenz ist, glaube ich, das A und O. Ohne der geht es nicht, sowohl auf der Betriebsratsseite, wie auch auf der Führungsseite.

Wann hat man als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin bzw. als Gruppe von Arbeitnehmer:innen eigentlich Verhandlungsmacht?

Dann, wenn einem bewusst ist, dass jeder Unternehmer ohne die Arbeitnehmer nichts tun kann. Und dann, wenn die Leute zusammenstehen. Wenn sie bereit sind, miteinander für ihre Sache, für ihre Interessen einzustehen. Es ist wie beim Fußballspielen. Du kannst elf Stars haben, aber wenn sie nur für sich spielen, wirst du nicht weiterkommen. Wenn du ein gutes Kollektiv hast, Leute, die sich miteinander verstehen, dann wird die Mannschaft erfolgreich. Und so ist es auch im Betrieb. Je besser das Klima ist, desto günstiger.

Den Sonntagstalk auf SALZBURG24 gibt's ab sofort wieder jede Woche. Am kommenden Sonntag spricht Michaela Posch mit Nina Pichler, Klinische und Gesundheitspsychologin, von der Lebenshilfe Salzburg über Autismus und wie es Betroffenen in Salzburg geht. Einfach reinhören!