Sonntags-Talk

"In Österreich wird man nicht reich mit E-Sports": Sonntagstalk mit Salzburger Ex-E-Sportler Johannes Findling

Episode Summary

Während Stadtfest und Unite Parade die Straßen füllen, lockt die Level-Up-Messe zahlreiche Gaming-Fans in die Stadt. Der Salzburger Ex-E-Sportler Johannes Findling spricht im Sonntagstalk über harte Realitäten im digitalen Wettkampf, den schwierigen Spagat zwischen Leidenschaft und Spielsucht und warum E-Sports hierzulande ein Nischenphänomen bleibt.

Episode Notes

Dieses Wochenende finden in der Stadt Salzburg nicht nur das Stadtfest und die Unite Parade statt, sondern auch die Gamingmesse Level Up. Wir haben anlässlich dessen mit Ex-E-Sportler Johannes Findling aus Puch (Tennengau) gesprochen, der für das österreichische Nationalteam bei der Europameisterschaft und Weltmeisterschaft in Counter-Strike, einem beliebten Taktik-Shooter-Spiel, angetreten ist. Im Sonntagstalk mit SALZBURG24 verrät er, wie man Profi-Gamer wird, wie die Szene in Salzburg und Österreich zusammenhält und warum Gaming als Joboption für junge Menschen hierzulande eher unrealistisch ist.

Sonntagstalk mit Ex-E-Sportler Johannes Findling: Ein Auszug zum Nachlesen

SALZBURG24: Wie würdest du die E-Sports-Szene in Salzburg beziehungsweise Österreich beschreiben?

JOHANNES FINDLING: Als klein. Früher, als ich angefangen habe, war die Szene richtig groß in Österreich. Wir haben richtig große Turniere gehabt, mit sehr, sehr vielen Teilnehmern. Das hat sich über die Jahre verändert. Jeder wird älter. Die Leute gründen eine Familie, gehen studieren und haben andere Ziele, weil E-Sports in Österreich auch nicht lukrativ ist. Jeder E-Sportler in Österreich macht das aus Liebe zum Wettkampf und nicht aus Liebe zum Geld. In Österreich wird man nicht reich mit E-Sports.

Was denkst du, woran das liegt?

Das System gibt das einfach nicht her. In Österreich ist niemand auf E-Sports angewiesen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Geld zu machen. Und man muss auch Geld machen, weil das Leben teuer ist. Man kann nicht einfach dasitzen und auf E-Sports setzen. Und dazu kommen Zivildienst beziehungsweise Bundesheer. Das schränkt die Chancen für junge Spieler ziemlich ein. […] In Deutschland gibt es zum Beispiel keine Wehrpflicht. Und dann spielst du gegen Deutsche, die durchgehend spielen konnten. Das merkt man. Das würde auch jeder Fußballer merken, wenn er ein halbes Jahr nicht trainieren kann mit seinem Team. Du bleibst hinten, du bleibst liegen.

Wer wird E-Sportler?

Das ist ganz unterschiedlich. Nationalität oder Lebensort sind komplett egal. Aber nur die Besten werden E-Sportler. Die, die Zeit reinstecken wollen und Opfer bringen, zum Beispiel Freundschaften oder Schule.

Wie reagierst du auf Kritik an E-Sports, zum Beispiel wegen Spielsucht oder wegen fehlender Bewegung?

Daran gibt es nichts auszusetzen, das ist wirklich so. Vor allem wenn ich mir die junge Generation anschaue. Viele sind schon als Kind kräftiger, das ist schade. Sie zocken von Anfang an. Es ist gemütlich, es ist cool und es gibt Dopamin in Massen. Für die Kinder ist das schlecht, denke ich. Bei vielen bin ich mir auch hundertprozentig sicher, dass sie spielsüchtig sind. Ich war selbst spielsüchtig, als ich angefangen habe. Es hat nichts mehr gegeben außer zocken. Da müsste man gegensteuern.

Kann man professioneller Gamer werden, ohne Spielsucht zu haben?

Schwierig. Ich glaube nicht, nein. Du musst spielen, du musst deine zehn Stunden am Tag spielen. Die Spielsucht kann sich legen, wenn das Hobby zum Beruf wird. Wenn man abliefern muss, weil man damit Geld verdient und ständig Turniere hat, dann freut man sich nicht mehr aufs Spielen.

Den Sonntagstalk auf SALZBURG24 gibt's jede Woche. Am kommenden Sonntag ist Eva Gitschthaler vom Verein Rainbow Salzburg zu Gast bei Michaela Posch. Einfach reinhören!

Habt ihr Vorschläge für Interviewpartner:innen? Dann meldet euch einfach unter redaktion@salzburg24.at. Wir freuen uns über eure Inputs!