Robert Tschaut ist seit 16 Jahren Fachinspektor für Bewegung und Sport an der Bildungsdirektion Salzburg und wird in seinem Umfeld als „Mr. Sportstunde“ bezeichnet. Im Sonntagstalk spricht der 57-Jährige, warum die größten Hürden in puncto Bewegung im Elternhaus liegen und was getan werden muss, damit sich Kinder und Jugendliche mehr bewegen.
Robert Tschaut kümmert sich um Lehrpläne, Infrastruktur, Schulveranstaltungen und Verbandskooperationen. Seine Arbeit an der Bildungsdirektion Salzburg ist vielfältig und reicht von rechtlichen Fragen bis zur Organisation von Wettkämpfen.
Die größte Herausforderung sieht der 57-Jährige darin, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Bewegung zu begeistern – entscheidend sei dabei vor allem das Vorbild im Elternhaus. Von einem sinkenden Stellenwert des Sports im Schulalltag will der gebürtige Saalfeldener (Pinzgau) nichts wissen, im Gegenteil: Er ortet in Salzburg ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Bewegung.
Ein Problem sei aber nach wie vor die Infrastruktur – die finanzielle Situation der Gemeinden beeinflusse die Ausstattung stark. Tschaut betont, dass das Freizeitverhalten der Kinder heute viel fremdbestimmter sei, Freiräume fehlen und die Sorgen der Eltern oft zu Einschränkungen führen.
Beim Thema Handy sieht er Vorteile im Sportunterricht für Videoanalysen und Messungen, unterstützt aber grundsätzlich ein Handyverbot während der Unterrichtszeit.
Bei der Ausbildung von Sportlehrer:innen sieht Tschaut positive Entwicklungen in der Sekundarstufe, sieht jedoch Bedarf an Spezialisierungen in der Primarstufe, wo aktuell noch Generalisten alle Fächer unterrichten müssen.
SALZBURG24: Robert, du hast ja schon viel Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt. Was sind die größten Hürden, wenn es darum geht, Jugendliche und Kinder wirklich zu motivieren, sich regelmäßig zu bewegen?
Am wichtigsten sind aktive Eltern als Vorbilder. Dann würde ich mich mehr gut ausgebildete und motivierte Lehrpersonen wünschen. Ein bisschen problematisch sehe ich die Primarstufe, weil wir es hier natürlich mit einer Generalisierung zu tun haben. Die Lehrerinnen und Lehrer werden für alle Fächer ausgebildet. Und es gibt nicht diesen Wunderwuzzi, dass ich jetzt überall gut bin. Jeder hat irgendwo seine Stärken, seine Schwächen, seine Schwerpunkte. Und da sehe ich schon auch einen Bedarf, dass man auch hier in Musik, in Sport schon zu einer Art Spezialistentum kommt. Und als Drittes würde ich verbesserte Rahmenbedingungen und Infrastruktur nennen.
Zum Thema Schulen und Veranstaltungen: Ihr habt ca. 10.000 bis 13.000 Jugendliche, die an so genannten Landesmeisterschaften in Salzburg teilnehmen. Kannst du uns einen genaueren Einblick geben, wie das abläuft und was da gemacht wird?
Unser Wettkampfkalender reicht von B wie Badminton bis V wie Volleyball. Nächstes Jahr fangen wir auch mit Aquathlon an. Im Moment sind es 25 Sportarten mit über 100 Wettkämpfen, davon allein 56 Landesmeisterschaften. Der Rest sind eben die angesprochenen Bezirksmeisterschaften. Also letztes Jahr hatten wir 13.000 Kinder und Jugendliche, die wir zu solchen Schulsportwettkämpfen bewegt haben.
Und im Bereich der Selbstkompetenz, der Sozialkompetenz wird dort wahnsinnig viel gemacht oder gefördert bei den Kindern. Sie nehmen irrsinnig gerne teil und machen riesige Erfahrungen und ich sage immer, der Sport ist eine der wichtigsten und besten Lebensschulen, die es gibt, weil sie hier Erfahrungen machen, die sie im Klassenzimmer selber nicht machen können.
Robert, wenn du dir drei Dinge wünschen könntest, um Bewegung für Sport und Sport für Kinder in den nächsten fünf Jahren zu stärken. Was würde ganz oben auf der Liste stehen?
Den Sonntagstalk auf SALZBURG24 gibt es jede Woche. Unser nächster Gast ist Beate Elvira Lamprecht, die als Studiengangsleitung an der Fachhochschule über Hebammen und den Zauber Schwangerschaft und Geburt sprechen wird – einfach reinhören!